LESEPROBEN:


Züschen, Hochsauerland

Züschen ist ein Straßendorf. Es gibt zwei Häuserzeilen. Eine ist bachwärts zur Nuhne hin gelegen, die andere bergwärts mit einer steil ansteigenden Rückfront, manchmal sogar mit einem zweiten Einlaß oben am Berg. Dazwischen liegt die Straße, der enge Korridor, in dem das Leben spielt: Schreinerei, Schusterwerkstatt, Sägewerk, eine "Pension" für die Handvoll Sommergäste, der Löffelschnitzer, der Lebensmittelladen, der zugleich Hotel, Speisegaststätte und Versammlungssaal ist, die Bäckerei, das Heldendenkmal, noch ein Schuhmacher, die Schmiede, der Metzger, die kleine Werkstatt für landwirtschaftliche Geräte wie Sensenstiele und Heuharken, dann aber auch Kochlöffel und Frühstücksbrettchen und vieles mehr. [...weiter...]

 

Sammlungen der besonderen Art (1940 - 1948)

Das Müttergenesungswerk verkauft zum Muttertag Liederheftchen, die mit kleinen goldschimmernden Sicherheitsnadeln an den Jackenaufschlag angesteckt werden. Jeder Volksgenosse sollte so ein Heftchen am Rockaufschlag tragen, mindestens aber sollte ihn eine von diesen kleinen Stoffblumen schmücken: Gänseblümchen, Klatschmohn, Kornblumen, das sollten unsere Mütter uns wert sein. Und außerdem:

"Kein schöner Land in dieser Zeit"
"Wenn alle Brünnlein fließen"
"Schwarzbraun ist die Haselnuß"
"Am Brunnen vor dem Tore"
"Wir wollen zu Land ausfahren"
"Horch, was kommt von draußen rein" ...

Wer wollte sich schon solch treudeutschem Liedgut verschließen! - Auch Marianne verkauft solche Heftchen und Nadeln. Marianne ist immer [...weiter ...]

 

Mühlespiel mit meiner Mutter

Mühlespiel mit meiner Mutter Das gehört auch zu den beglückenden Momenten in meinem Leben. Warum das so ist? Ich will es gar nicht genau sagen, und jede Begründung bleibt eher noch eine Vermutung.

Sie ist dann jedesmal hellwach, meine Mutter, ganz auf das Spiel konzentriert, ganz bei sich. Sie will gewinnen, und sie ist eine starke Spielerin, eine gefährliche Gegnerin ist sie, sieht Züge im voraus, durchschaut mein Spiel und durchkreuzt meine Pläne. Und daran hat sie ein unübersehbares Vergnügen, versucht aber gleichzeitig, es nicht zu zeigen - versucht das, aber es gelingt ihr nicht. Ein Blick aus den Augenwinkeln zeigt mir, daß sie die Herausforderung erkannt hat, und dann spielt sie betont kühl weiter, so als wäre nichts gewesen. Nur die Fingerspitzen zittern ein ganz kleines bißchen, während sie den nächsten Stein bewegt, unmerklich fast; aber auch ich bin ein guter Beobachter. Weiß sie das? [...weiter...]

 

Die vollständigen Texte und weitere können auch nachgelesen werden
in dem Buch "Gerda" [ISBN 978-3-8370-6442-1]

 

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