„The Third Wave” hieß ein Artikel, den der kalifornische Geschichtslehrer Ron Jones 1972 veröffentlichte. Jones hatte mit Zehntklässlern an einer Highschool in Palo Alto ein Gemeinschaftsexperiment veranstaltet, um die alltäglichen Wurzeln des Nationalsozialismus offenzulegen. Nach fünf Tagen brach er den Versuch ab. Sein Erfolg war bestürzend. Die Mitglieder der „dritten Welle“ ließen sich mühelos davon überzeugen, Teil einer nationalen Erneuerungsbewegung zu sein, sie gaben sich ein eigenes Banner, grüßten einander mit erhobenem Arm und schüchterten Widerspenstige durch Drohungen ein. Später fasste Jones seine Erlebnisse für ein Erinnerungsbuch zusammen, und 1981 machte der Schriftsteller Morton Rhue daraus einen Roman: „The Wave“. Im selben Jahr entstand ein amerikanischer Fernsehfilm gleichen Titels. Dennis Gansels „Welle“ ist schon die fünfte Version der Geschichte. Wenn ein Ereignis eine so weite Reise zu seinem Publikum zurücklegt, verliert es unterwegs an Helligkeit. Es sei denn, man schaltet eine zusätzliche Lichtquelle ein.
[aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Donnerstag, den 13. März 2008 im Feuilleton S. 36,
in „Auf Wiedersehn, Kinder ]
Eine solche zusätzliche Lichtquelle ist im folgenden Bericht aus dem Unterricht in einer Gymnasialen Oberstufe zu sehen.